Barbados & Rum

Oh ja, man trinkt ihn gerne, den karibischen Wundertrunk von Barbados, den watteweichen, fruchtgeladenen und mollig süßen Rum. In mannigfaltigen Varianten abgefüllt und immer wieder eine Freude im Glas. Nun, woher stammen die flüssigen Leckerbissen, die von so vielen Rum Connaisseurs geschätzt werden?
Wie sieht sie aus, die Heimat eines Plantation Barbados XO, eines Rum Nation Barbados XO oder eines Dos Maderas Luxus Rums.

Geographie – Lage

Umgebungskarte der Bahamas und Antillen

Die 430 Quadratkilometer kleine Insel liegt im Atlantischen Ozean und gilt als die östlichste Vertreterin der kleinen Antillen. Rechts von ihr (also noch weiter gen Osten) liegt nur der schier endlose Atlantische Ozean. Zum Vergleich: das Bundesland Tirol misst 12.640 km², das Saarland immerhin noch vergleichsweise stolze 2.570 Quadratkilometer.

Interessante Randnotiz

Im Gegensatz zu vielen ihrer Inselnachbarinnen ist Barbados übrigens keine Vulkaninsel sondern ein über die Jahrtausende aus Korallenriffen gewachsenes Eiland.

Ihren Namen erhielt die Karibikinsel vom dem Portugiesen Pedro Campos, der die Insel entdeckte. Ihn erinnerten die vorkommenden Feigenbäume mit ihren frei herabhängenden Wurzeln an Bärte. Deshalb betitelte er die Insel kurzerhand – und äußerst fantasiebegabt – mit dem Namen „os barbados“ – „die Bärtigen“.

Klima

Mhh… das weckt Urlaubsgefühle, oder?

Das Eiland wird nicht umsonst sofort mit einer karibischen Trauminsel assoziiert. Die Jahresdurchschnittstemperaturen liegen bei etwa 26 Grad Celsius (Das ist bei uns fast Hochsommer). Und während der Regenzeit – zwischen Mai und Oktober – wird die Insel mit ausreichend Süßwasser von oben versorgt. Allerdings kommen keine größeren Seen vor, da der Inseluntergrund aus porösem und wasserdurchlässigem Kalkstein besteht. Zwischen Juni und November trübt sich das glänzende Glück der Insulaner, die sich selbst übrigens als „Bajan“ bezeichnen, leider ein wenig ein. Denn dann herrscht die Hurricane Saison. Und Barbados liegt inmitten des Einzugsgebietes atlantischer Wirbelstürme.

Vegetation

Wo früher dichter Tropenwald vorherrschte, gibt es jetzt vor allem Kulturland und Zuckerrohrplantagen. Gerade einmal ein kleiner Rest von etwas über 18 Hektar der alten Tropenwälder findet sich heute noch im Turner´s Hall Wood. Der Rest ist passé. Auch die Tierwelt präsentiert sich eher – sagen wir mal – übersichtlich. Auf der Insel kommen Kolibris, Mangusten, Affen, Hasen und Eidechsen vor. Natürlich noch mannigfaltige Insektenarten. Aber, die Vielfalt von einst, als die Tropenbäume noch über die Insel herrschten, ist verschwunden. Aber Stopp, bevor jetzt auch nur eine mitteleuropäische Augenbraue nach oben zuckt: auch bei uns beherrschte einst, tiefer, dunkler Urwald die Landschaft, gell!

Barbados einst

Früher, als die europäischen Nationen überwiegend mit ihren eigenen kontinental-internen Querelen beschäftigt waren, lebten vereinzelte Stämme der Kariben und Arawak auf Barbados. Das änderte sich allerdings schlagartig mit der „Entdeckung“ der Insel durch den Portugiesen Pedro Campos im Jahr 1536. Innerhalb von nicht einmal 2 Jahrzehnten wurden die Eingeborenen versklavt, vertrieben oder niedergemacht. Als schließlich die Engländer in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Insel von den Portugiesen übernahmen, war sie annähernd menschenleer. Nun, zumindest die natürlichen Voraussetzungen für den Anbau von Zuckerrohr waren hervorragend, es fehlte nur ein wenig an der Manpower. Und die Engländer fackelten seinerzeit nicht lange und „importierten“ von den Nachbarinseln, aus Schwarzafrika und auch aus Irland nicht ganz freiwillige Arbeitskräfte – Sklaven. Über viele Jahre hinweg gehörte Barbados – unter Britischem Zepter – zu den größten Rohrzucker Produzenten der Welt. Und damit auch zu einer der globalen Rum-Größen. Gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts überschwemmte Barbados alleine die Welt mit jährlich 3,785 Mio. Litern Rum. Das war für die damalige Zeit eine horrende Menge.

Interessanterweise legten sich die frühen „Siedler“ in Sachen Alkohol nicht gleich auf Rum aus Zuckerrohr fest, das kam erst in den 1640ern. Vorher jagte man allerlei regional vorkommende Früchte, wie zum Beispiel Cassava (Maniok oder auch als Yuca bekannt) durch den Destillationskolben. Diese spirituellen „Ergüsse“ wurden allerdings nicht exportiert, sondern direkt vor Ort konsumiert. (Ich glaube, wir können dankbar dafür sein).

Barbados – heute

„Pride and Industry“ Stolz und Fleiß, so lautet der schon fast schwäbisch anmutende Wahlspruch des karibischen Inselstaates, deren Staatsoberhaupt de facto noch heute die Britische Queen ist. Zwar ist die Karibikinsel seit dem 30. November 1966 unabhängig, aber ihre knapp 280.000 Einwohner gehören immer noch zum weltumspannenden Netz des britischen Commonwealth.

Ihre Hauptstadt Bridgetown beherbergt mit fast 100.000 Menschen mehr als 1/3 der Gesamtbevölkerung die sich wie folgt zusammensetzt:
90% aus den Nachkommen afrikanischer Sklaven, 6% Asiaten und 4% Europäer (überwiegend aus GB).

Wirtschaft

Gegenwärtig ist der Tourismus, der Industriezweig Nummer 1. Gefolgt vom Handwerk und der Zuckerrohrproduktion. Natürlich importiert Barbados einen Anteil des benötigten Zuckerrohrs auch aus anderen Nationen. Da wollen wir uns keine Illusionen machen.
Und teilweise verdingte man sich hier auch als – sagen wir mal – „steuerbegünstigter Parkplatz für auswärtiges Geld“, sprich als Oase für Steuerflüchtlinge aus den Industrienationen. Allerdings schob die EU Kommission diesem Treiben einen Riegel – okay, genauer gesagt – ein Riegelchen vor, und setzte Barbados 2016 auf die schwarze Liste der Steueroasen.

Die Arbeitslosenquote liegt mit 10,5 Prozent im direkten Vergleich zu Deutschland (offiziell 3,1%) und Österreich (offiziell 4,5%) zwar deutlich höher als in unserer Region, allerdings schaffen es die erfindungsreichen Bajans trotzdem immer vortrefflich, sich durch den Alltag zu wuseln und genügend Barbados-Dollars für ihr Auskommen zusammen zu bekommen.

Typische Gerichte aus Barbados

Die Küche auf Barbados wird – historisch bedingt – vor allem von der afrikanischen und der englischen Küche beeinflusst. Aber, keine Angst, lauwarme Cervisia und Wildschwein in Pfefferminz Sauce werden hier nicht serviert. Vielmehr betören die Bajan-Gerichte mit den Zutaten, die vor Ort in Massen vorkommen: Meeresfrüchte aller Couleur; vor allem der Flying Fish, der Fliegende Fisch, ist in vielen Speisen vertreten. Gerne in Begleitung einer typisch afrikanischen Spezialität, des Cou-Cou
(ein Gemisch aus Okra und Maismehl, das unserem Kartoffelpüree sehr ähnlich sieht). Natürlich kocht man auch gerne Eintopf mit Rind-, Schweinefleisch oder Geflügel – das Pepperpot-Stew, mit heimischen, pikanten Zutaten wie Chili, Zimt und Nelken.

Und selbstverständlich greifen die Köchinnen und Köche auch auf eine bunte Palette an dort vorkommenden Früchten, wie Mangos, Bananen, Avocados, Tomaten, Kürbisse, etc. zurück.

Die Barbados Brennereien

Neben den festen Bestandteilen der Barbados-Cuisine gibt es natürlich noch das flüssige Gold, den weltberühmten Barbados-Rum. Diese vier Hersteller sorgen dafür, dass der Strom an flüssigem Bernstein aus Barbados niemals versiegt. Die Gustostückerl der mit einem Link hinterlegten Destillerien finden Sie übrigens auch bei uns im Shop.

Die Mount Gay Distillery

Im nordöstlichen Dörfchen St. Michael gelegen, produziert die alte Berühmtheit bereits nachweislich seit dem 20. Februar 1703 ihren Rum. Zu diesem Zeitpunkt taucht die weltweit älteste nachgewiesene Rum-Destille das erste Mal in einem Register auf: „Two stone windmills, etc. further one boiling house with seven coppers, one curing house and one still house.“ So der Eintrag und die Bestandsaufnahme der damaligen Gebäude.
Selbstverständlich kann man getrost davon ausgehen, dass an Ort und Stelle bereits viele Dekaden zuvor schon Melasse in Rum verwandelt wurde.

So wie es aussieht, war Mount Gay – auch unter mehreren Eigentümern – dauerhaft in Betrieb und gehört gegenwärtig (seit 1989) dem Spirituosenkonzern Rémy Cointreau.

Ihre Melasse bezieht sie überwiegend von regionalen Zuckerrohrplantagen und auch von den eigenen – biologisch bewirtschafteten – Feldern.

Mount Gay verfügt über 2 diskontinuierliche Brennblasen (pot stills) und über eine zwei-säulige kontinuierliche Brennblase (column still).
Wie viel Rum man pro Jahr produziert ist uns leider nicht bekannt.

Ihre Eigenmarken

sind der Mount Gay und der Mount Gilboa Rum.

Mehr Details zur ältesten Rum-Brennerei der Welt finden sie hier.

Die Westindies Rum Distillery

Diese Brennerei liegt am Black Rock Beach in Brighton. Sie wurde 1893 von den Deutschen Brüdern Stades gegründet und gehört heute der Goddard Enterprises Ltd (ein heimisches Unternehmen). Mit einer jährlichen Produktionskapazität von 9 Mio. Liter reinen Alkohols und jährlich etwa 150.000 befüllten Fässern ist diese Destillerie ein mächtig großer Hersteller auf dieser kleinen Insel.
Ihre 4 modernen Brennanlagen, 2 Viersäulen-column-stills und 2 pot stills sind rund um die Uhr im Einsatz und sorgen für sehr vielseitige und unterschiedliche Destillate, ganz ohne künstliche Kosmetikmaßnahmen. Meist produziert man „Auftragsware“, wie zum Beispiel:
Afrohead, Blue Chair Bay Rum, Cockspur, Gilbey`s, Henschells, JR Rum, Malibu, Popov, Pussers oder Shellback Rum.
Auch der ein oder andere Plantation Rum stammt übrigens von hier.

Ihre Fasslager haben ein Fassungsvermögen von um und bei 20.000 Fässern. Sind aber mit lediglich etwa 5.000 Fässern belegt, da das Gros der produzierten Menge mit 95 Volumenprozent direkt verschifft wird.
Die verwendete Melasse stammt aus Barbados, Guyana, Trinidad und Mexiko.

Die Foursquare Distillery

Ihre Ursprünge gehen zurück in die frühen Jahre des neunzehnten Jahrhunderts, als die Familie Seale bereits mitten drin war im Business als Rum-Händler. Die Brennerei selbst ist seit 1996 in Betrieb. Sie wurde in St. Philip in eine alte Zuckerfabrik eingebaut und ist mittlerweile eine hypermoderne, blitzsaubere Rum-Fabrik. Nach wie vor ist Foursquare im Familienbesitz, mittlerweile lenkt bereits die dritte Generation die Geschicke des Unternehmens. 

Die Foursquare Distillery verfügt sowohl über eine kontinuierliche Brennanlage (eine unter Vakuum operierende 3-Säulen column still) für die leichteren Rum-Sorten, als auch über eine pot still, in der die schweren Rums gewonnen werden. Zu den altbekannten Reifefässern aus ehemaligen Bourbon Fässern gesellen sich unter Richard Seale auch immer mehr Holz-Exoten (Wein-, Port-, Madeira-Fässer, etc.) für Finishings und für die Basisreifung. Ja, man geht mit der Zeit bei Foursquare. So kümmert man sich selbst vor Ort um die Wiederaufbereitung der entstehenden Abwässer und beliefert einen örtlichen Energieversorger mit dem bei der Fermentation entstehendem Kohlendioxid.

Obwohl inmitten von Zuckerrohrplantagen gelegen, ist man neben der Ernte anderer lokaler Plantagen auch auf das Zuckerrohr aus Guyana angewiesen, da die eigene Plantage in den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts aufgegeben wurde. Pro Jahr laufen hier einige Mio. Liter Alkohol aus den Brennblasen, die grundsätzlich 2 Jahre in ihren Reifefässern verbringen müssen und unter keinen Umständen mit irgendwelchen kosmetischen Aufhübschungen à la Zuckercouleur und Co. behandelt werden. – Getreu ihrem Motto: „We do it right!“

Ihre eigenen, bekannten Rummarken sind

Doorly’s, R.L. Seale und Rum Sixty Six

Außerdem versorgen sie folgende Abfüller:

Habitation Velier, Silver Seal, Kill Devil, Bonpland Rum, Plantation Rum, Compagnie des Indes Rhum, Alambic Classique, Cadenhead’s und The Real McCoy.

Was der hypermoderne Familienbetrieb so alles kann, zeigen wir Ihnen hier.

St. Nicholas Abbey

Last but not least, geht es für die vierte Destillerie auf nach St. Peter. Dort wird in einem über 350 Jahre altem Gebäude der Destillation gefrönt. In einem, einer Jakubiner Abtei nachempfundenen Herrenhaus, begann man etwa um das Jahr 1720 mit der Produktion von Rum. Allerdings gab es im Lauf der Jahrhunderte immer wieder Perioden des Produktionsstillstands. Im Jahr 1947 musste man der extremen Konkurrenz im Bereich Zuckerproduktion, etc. Tribut zollen und schloss die Brennerei komplett.
Erst im Jahr 2006 – mit der Übernahme durch die Familie Warren – kehrte das Leben wieder in den historischen Altbau zurück. Die Brennerei wurde saniert und ausgebaut.
Die Rums der St. Nicholas Abbey werden aus selbst geerntetem und selbst gepresstem Zuckerrohrsaft – von den betriebseigenen Plantagen – hergestellt. Dazu verwendet man eine speziell für ihre Bedürfnisse hergestellte Brennblase mit dem Namen Annabelle – eine Kombination aus kontinuierlicher Brennblase und Pot Still. Wie groß die bis dato noch sehr übersichtliche Produktionsmenge ist, ist uns leider nicht bekannt.

Die unabhängigen Abfüller

Selbstverständlich gibt es auch eine Unzahl an Abfüllungen von Barbados Rum, die von unabhängigen Abfüllern auf der Karibik-Insel gekauft und in Eigenregie in die Flasche gebannt wurden und werden. Das sind zum Beispiel:
Plantation, Dos Maderas, Compagnie des Indes, Kaniché, Pussers, Real McCoy, Twezo, Ron de Jeremy, Habitation Velier, Neptune, Bellamy, Hyde, Saison, Austrian Empire und nicht zuletzt unser Funky Pump (in dem Barbados XO Rum schlummert).

Wie schmecken die Barbados Rums?

An sich zählen die Rumbullions aus Barbados – auch wieder historisch bedingt – zu den Rums der „Britischen Machart“. Allerdings ist diese generelle Aufteilung doch sehr schwammig und teils sogar irreführend, weil auch ein Jamaika-Rum in diese Stilrichtung eingenordet wird. Und ein Bajan und ein Jamaikaner haben nun wirklich nichts gemeinsam. Während die Jamaika-Rums Wolken voller Ester aus dem Tumbler wölben lassen, präsentieren sich die Barbados Rums hingegen fruchtig leicht, sahneweich, süß und filigran im Bukett und im Geschmack. Ausnahmen bestätigen übrigens die Regel.
Die Bajan-Rums sind fast ausnahmslos auch für Einsteiger in die Welt der Rums bestens geeignet. Mit Charme und Seide halten Sie den Genießer bei der Stange und beweisen eindrucksvoll, warum ihre Rum Sorten so heiß begehrt sind.

Aber, Reden ist Silber, Tasten ist Gold! Am besten verschaffen Sie sich selbst einen Überblick über die Rum-Kunst der östlichen Karibik-Insel.

Viel Spaß dabei!