Die Prohibition

Grundsätzlich

In unserem gängigen Sprachgebrauch sprechen wir, wenn wir über die Prohibition reden, über das Alkoholverbot in den Vereinigten Staaten während der wilden Zwanziger. Allerdings existierten und existieren auch heute noch strikte Verbote für Alkohol und andere Drogen. Von daher wäre es eigentlich richtiger von „Prohibitionen“ zu sprechen. Es gab zwischen 1914 und 1925 die „suchoi sakon“ in Russland, oder die „kieltolaki“ in Finnland (1919-1932). Um nur mal zwei zu nennen.
Jede Nation der Erde hatte im Laufe der Geschichte immer wieder mit extrem grassierender Trunkenheit innerhalb ihres Volkes zu kämpfen.

Aber, wir wollen jetzt keine Worte klauben oder gar mit dem mahnenden Zeigefinger fuchteln.
Wir beschäftigen uns mit der berühmtesten und von Hollywood in zahllosen Meisterwerken verfilmten Prohibition, nämlich der in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Prohibition in den USA

Zu Beginn drehen wir die Uhr ein wenig zurück und begeben uns in die USA im Jahr 1920. Der erste Weltkrieg war vorüber und im Gegensatz zum alten, europäischen Kontinent, der in Trümmern lag, herrschte in der Neuen Welt eine regelrechte Aufbruchstimmung.
Das Fließband beim Autokonzern Ford lief schon 7 Jahre äußerst erfolgreich und krempelte damit sämtliche produzierenden Industriezweige völlig um. Endlich war genügend Arbeit für die werktätige Schicht vorhanden. Es herrschte annähernd Vollbeschäftigung und selbst das Proletariat wagte es, den „American Dream“ zu träumen.

Alles in Allem war es (in den USA) eine goldene Epoche, eine Zeit der Hoffnungen, der Emanzipation und der ausgelassenen Feiern.

Sie waren laut, sie waren schrill und leider sehr kurz!

The Noble Experiment?

Ja und dann kam in dieser flüssig-seligen Feierlaune doch tatsächlich so eine Enthaltungsbewegung daher und vermieste dem launigen Mitbürger die feucht-fröhlichen Lustbarkeiten.
Diese No-Alcohol-Bewegung gewann im Laufe der Jahre immer mehr Einfluss auf den Senat und setzte – auf dem Höhepunkt ihrer Macht – äußerst druckvoll den sogenannten Volstead Act durch. Der darin mündete, dass am 16.01.2020 der 18. Zusatzartikel der Verfassung in Kraft trat, mit dem unheilschwangeren Namen „The Noble Experiment“ (das ehrenhafte Experiment).

Seitdem war landesweit die Herstellung, der Transport und der Verkauf von Alkohol verboten. Ja – und das schockiert mich als Bayern ganz besonders – auch Bier war davon betroffen. Entsetzlich, ja schier unmenschlich! Begleitet uns der gepflegte Rausch doch schon seit Jahrzehntausenden durch unsere Geschichte. Heimliche Lieferungen wurden beschlagnahmt und öffentlich vernichtet.

Was ist daran nobel? Was soll daran ehrenvoll sein, ein unschuldiges Holzfass kaputt zu schlagen und den kostbaren, mühevoll hergestellten Inhalt in den Rinnstein zu kippen?!?

Homo Sapiens und der Rausch

Um das zu beurteilen sollten wir erst ein wenig Lokalkolorit schnuppern und etwas tiefer in die damalige Epoche eintauchen. Homo Sapiens – das beweist die Historie eindrucksvoll – brauchte noch nie einen besonderen Grund, um sich mit gewissen Hilfsmitteln (flüssig, fest oder rauchförmig) den Alltag zu „versüßen“. Der Rausch vertreibt die Sorgen und ist ebenso ein hervorragendes „Gute-Laune-Mittelchen“ für’s ausgelassene Feiern. Ist an sich nicht schlimm. Aber (!) es ist wie in der Medizin: die Dosis macht´s! Und genau jene „gesunde“ Menge wurde in kürzester Zeit von vielen überschritten.

„Spreading the disease“ – die Ausbreitung

Das kam auch durch die Einführung der hohen Kunst des Bierbrauens (wer hat da wohl seine Händchen im Spiel? Richtig die Deutschen!). In Kombination mit den effizienteren Verbreitungswegen durch die Eisenbahn und den sich sukzessive ausbreitenden Kühlmethoden erlebte der hochprozentige Genuss binnen kürzester Zeit auch hierzulande einen gehörigen Aufschwung. Alkohol konnte nun auf dem gesamten Kontinent taufrisch auf den Tresen gestellt werden. Dementsprechend fanden die Alkoholika Verbreitung bis in die entlegensten Gegenden. Und aus einem Feierabendbier wurden schnell mal wesentlich mehr Hopfenkaltschalen.

Ob hier übermäßiger Alkoholkonsum schuld war….wir wissen es nicht!

Und gerade diesem Treiben wollten in den USA verschiedene Vereinigungen einen Riegel vorschieben. Vereine wie die Prohibition Party, der christliche Frauenbund für Abstinenz oder die „Anti-Saloon League“ beharkten die Politiker ihres Vertrauens so lange, bis letztendlich der Volstead Act durch den Kongress durchgewunken und durchgesetzt wurde.

Wie das noble Experiment seinen Lauf nahm

Was bei uns in Bayern zu Volksaufständen und Bürgerkriegen mit Abermillionen von Toten und verheerten Regionen führen würde, sorgte in den Vereinigten Staaten für ein etwas subtileres Vorgehen der trinkfreudigen Betroffenen. Ziemlich schnell kam die Flüsterkneipe, die „Speakeasy“ in Mode. Nach außen hin ein honoriges Tanzlokal mit Alkohol-freien Erfrischungen. In Wahrheit ein Club für Eingeweihte, in dem es an hartem Stoff nicht mangelte. Statt direkter Konfrontation also einfach mal die Hintertür aufmachen. Ja, so geht´s auch.

Zugegeben, die Regierung hatte weder genügend Personal, noch den unbedingten Willen, die Vereinigten Staaten vollständig trocken zu legen. Und so gab es zwar ein allumfassendes Alkoholverbot (mit Flaschen-Zertrümmern und Fässer-Zerhacken), diese Maßnahmen hatten allerdings lediglich kosmetischen Wert. War einfach gut für die PR, wenn in der New York Times Bilder von zerstörten Fuhrwerken abgelichtet wurde. Aber wirklich Herr konnte man dem Alkohol nicht werden. Die Nachfrage (und der Konsum) hielten sich weiterhin auf hohem Niveau.

Noble Begleiterscheinungen 🙂

Nun, wenn etwas enorm Nachgefragtes illegal wird, steigt folglich der Preis dieses Guts in astronomische Höhen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich auch gewisse zwielichtige Gestalten in das Spirituosen-Business einschalteten.

Moonshining

Auf der einen Seite schossen Alkohol-Produzenten (ein großes Wort für die Hinterhof-Schnaps Brennereien von anno dazumal) wie Giftpilze aus dem Boden und überschwemmten den stets unersättlichen Schwarzmarkt mit ihren Destillaten und „Spezialitäten“. Der Name Moonshine (=Mondschein) kommt daher, dass in diesen oftmals kleinen „Familienbetrieben“ des Nächtens, im Mondlicht, gebrannt wurde. Natürlich achtete man seinerzeit weniger auf die Qualität, sondern legte das Hauptaugenmerk auf „viel und billig“. Es war übrigens nicht ganz ungefährlich, sich einen Moonshiner zweifelhafter Herkunft hinter die Binde zu kippen. Ich sag nur: Fuselalkohole! Aber, was tut man nicht alles für den Rausch.
Die Herstellung an den staatlichen Kontrolleuren vorbei war übrigens nicht das Schwierigste. Die Kunst bestand darin, den Sprit an den zahlungskräftigen Kunden zu bringen. Der Transport und der Verkauf standen ja auch unter Strafe. Also bedurfte es äußerst innovativer Ideen, die Ware vom Produzenten zum Konsumenten zu liefern. Und als wirklich erfindungsreich in diesem Metier erwiesen sich solche Herrschaften wie……

Capone

Die schillerndste Figur jener Zeit (auch natürlich Dank Hollywood) ist wohl sicherlich Signore Alphonse Gabriel, besser bekannt unter seinem Künstlernamen „Al Capone“. Der im Januar 1899, als vierter von sieben Kindern geborene Italo-Amerikaner begann seine „Karriere“ in New York als Türsteher, Schutzgeldeintreiber und – es kam hier nie zu einer Anklage – als Mörder. Eine bedauerliche Verwicklung mit einer konkurrierenden, mächtigen New Yorker Gang führte zu seinem kurzentschlossenen Umzug nach Chicago, damals ein Epizentrum der Korruption und Kriminalität. Hier stieg Mr. Capone innerhalb kurzer Zeit in die Chefetagen des organisierten Verbrechens auf und nahm in „seinem Bezirk“ alle verbotenen Laster wie das Glücksspiel, Prostitution, Schutzgelderpressung und Alkohol unter seine Fittiche. Wer erinnert sich nicht an die zahllosen Verfilmungen des epischen Kampfes Elliot Ness gegen Al Capone – Gut gegen Böse. Leider mit nur einem bedingten Happy End. Denn die Unbestechlichen konnten Mr. Capones Geschäfte mit Razzien zwar durchaus ernsthaft beeinträchtigen, ihn selbst aber nicht zu Fall bringen.

Die Geschichte von Mr. C und dem Finanzamt…

Den Sturz des Chicagoer Unterweltbosses verursachten nicht seine zahllosen Gewaltverbrechen. Nein, so richtig übel wurde es für ihn, als die Steuerbehörde, die IRS seine mannigfaltigen Geschäftsfelder genauer unter die Lupe nahm. Ein anberaumter Strafprozess, in dem Mr. Capones Steuerzahlungen und Steuerschulden gegenüber gestellt wurden, verlief für ihn nicht so günstig. Und so wurde Mr. Capone wegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu knapp 60.000 Dollar Geldstrafe und elf Jahren Freiheitsentzug verurteilt.
Um ihm seinen Einfluss auch aus den Gefängnismauern heraus zu entziehen, verlegte man Mr. C. 1934 in das berühmte Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz (bei San Francisco).

Das zwischenzeitliche Heim für Mr. Capone – Alcatraz vor San Francisco.

Im Januar 1936 wurde er dann wegen guter Führung entlassen. Allerdings konnte er nie wieder seinen einstigen Nimbus in der Unterwelt erreichen.
1947 holte ihn dann schlussendlich eine Jugendsünde aus dem Jahr 1928 ein. Der Besuch einer Prostituierten, der in Form von Syphilis einen bleibenden Eindruck bei Mr. Capone hinterließ.
Am 25.01.1947 starb die einstige Ikone der Chicagoer Unterwelt.

Das Ende der Prohibition

Am 05.12.1933 endete die Trockenperiode in den USA. Die Leute waren der brutalen Gang-Kämpfe müde, sie wollten sich auch wieder gepflegt einen einschenken können, ohne das Abgleiten in die Illegalität fürchten zu müssen. Dementsprechend wuchs erneut der Druck auf die gesetzgebenden Organe, diesen Zusatzartikel wieder auf Eis zu legen. Die Organe – also die gesetzlichen – gaben schließlich nach und hoben den 18. Zusatzartikel auf.
Damit war die Prohibition offiziell (in den meisten US Bundesstaaten zumindest) beendet.

Und heute?

Al Capone ist längst Geschichte, Alcatraz nur noch ein Museum. Aber ja, auch heute gibt es sie noch – die „halbtrockenen“ und die „trockenen“ Counties in den USA.

Vor allem in den Südstaaten sind einige Städe und Landkreise nach wie vor „trocken“ und der Verkauf, Transport und Ausschank alkoholischer Getränke ist komplett verboten. Das sind die Dry, die trockenen Counties.

Daneben existieren auch Städte und Landkreise, in denen man unter gewissen Voraussetzungen bestimmte Mengen von Alkohol erwerben, transportieren und konsumieren Darf. Das wären die sogenannten Semi-Dry, die halbtrockenen Counties.

Und natürlich gibt es sie auch im Land der unbeschränkten Unmöglichkeiten die Counties, in denen mit Alkohol relativ frei umgegangen wird. Diese nennen sich die Wet Counties.