Gin: Hyper-modern und gleichzeitig uralt

Gin Botanicals

Gin: Das In-Getränk schlechthin.

Kein Sommer ohne Gin Tonic! Aber nicht einfach nur irgendeinen Mix! Mittlerweile wird man in den meisten Bars gefragt welcher Gin und welches Tonic es sein soll. Denn die geschmacklichen Unterschiede sind enorm. Von klassisch Wacholder-lastig, über mehr oder minder stark ausgeprägte Zitrusnoten. Von floral oder fruchtig, bis hin zu exotischen Vertretern wie etwa der St. George Terroir, der mit Lorbeer und Fichten-Noten aufwartet. Oder der Sorgin Sauvignon Gin, der Noten von Weißwein in den Cocktail zaubert.

Mit Wacholder gegen die Pest

Wacholder als Heilmittel war schon sehr früh bekannt. Es gibt Belege von Experimenten mit Wacholder und Alkohol, die auf das Jahr 1.000 nach Christus zurückreichen. Im Mittelalter war Wacholder insbesondere als „Heilmittel“ gegen Nierenleiden und sogar gegen die gefürchtete Pest ein gerne verwendetes Mittel. Obwohl, die vitaminreichen Beeren natürlich nichts gegen den Schwarzen Tod ausrichten konnten. In dieser Zeit liegt auch die Geburtsstunde des Genevers, der „Mutter des Gins“. Ein Getreidebrand aus Roggen, Gerste oder Weizen der mit Wacholder und Gewürzen verfeinert wurde. Ein Arzt soll es gewesen sein, der den Genever erfunden hat: der Niederländer Franziskus de la Boë. Aber ganz sicher ist sich die Geschichtsschreibung da nicht. Unstrittig dagegen ist die Tatsache, dass die „Patienten“ schon recht bald die weiteren, nicht-medizinischen Vorzüge des Genevers für sich entdeckten. Hinzu kommt, dass im Gegensatz zu vielen anderen Spirituosen, der Genever sofort nach der Destillation – ohne lange Lagerung – trinkbar ist. Zudem ist er recht günstig und ohne großen Aufwand hergestellbar. Durchaus überzeugende Argumente, die dem Genever den Weg in die Genussmittel-Branche ebneten.

Aus Genever wird Gin

Ende des 17. Jahrhunderts entdeckten die Engländer den Genever für sich. Sie adaptierten die Produktionstechniken an ihre Bedürfnisse und änderten gleich mal den Namen, da Genever ihnen unaussprechlich schien. Der zungenfreundlichere Name Gin war geboren. Im Laufe der Geschichte entwickelte sich im Land eine regelrechte Manie um den Wacholderbrand: allein in London gab es 7.500 Gin-Shops und geschätzte 1.500 (!) illegale Brennereien. Allerdings handelte es dabei in erster Linie um billig „gepanschten Fusel“, den vor allem die Unterschicht in Massen konsumierte. Das uferte derart aus, dass die Regierung des öfteren versuchte, dem Konsum und den illegalen Destillerien Einhalt zu gebieten. Das gelang jedoch erst zu Beginn der industriellen Revolution nachhaltig.

Über die Herstellung

Gin wird aus landwirtschaftlich gewonnenem, neutralem Alkohol Hergestellt. Meist destilliert aus Getreide, aber auch Weintrauben, Kartoffeln und Äpfeln. Diesem Alkohol gibt man die Botanicals bei oder hängt sie in ein Netz in die Brennblase. Nach dem Brennen hat das Destillat die Aromen der Zutaten aufgenommen und fertig ist der Gin. Der Zusatz von Aromastoffen und Zucker sind streng reglementiert.